Prayers from Hell-White Gospel & Sinners Blues : Seit einigen Jahrzehnten hat man für die Musik der amerikanischen Hinterwäldler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den Begriff “Old Time Music” parat. Da die alten Zeiten für die armen Siedler der Südstaaten beileibe keine guten waren, vertrieb sich das Volk die Mühen des Alltags mit Kirche und Suff, Glücksspiel sowie anderen unfrommen Dingen, vor allem aber mit Musik. In ihren Liedern vertonten Klassiker des Old Time wie der Banjospieler Dock Boggs lupengenau die harten Zeiten inklusive Hoffnung auf bessere Tage — spätestens im Himmel. Prayers From Hell ist der absolut passende Titel für eine Compilation, welche die besten Tracks von damals aus einem nicht sehr heimeligen Szenario versammelt. Da stimmt Dock Boggs Knastsongs an; der junge Bill Monroe macht sich zum Abgang bereit und lässt erste Anklänge an Bluegrass hören. Frank Hutchison fährt den “Hell Bound Train”, Bill Carlisle erfindet die Alternative dazu und besingt lieber “The Heavenly Train”. Die Carter Family entdeckt eine Kirche im Wald und die Gebrüder Dixon hören dennoch niemanden beten: “Didn’t Hear Nobody Pray”. Der Mix aus dem Blues der schwarzen Nachbarn und alten europäischen Einwanderertönen, vorgetragen mit durchdringenden Stimmen, schrägen Saiteninstrumenten, unheimlich pluckernden Maultrommeln oder schreddernden Mundharmonikas ist weit entfernt von jener folkigen Nostalgie, die in den Fünfziger Jahren die alten Balladen wieder entdeckte und bis zur Unkenntlichkeit entstaubte. –Uli Lemke
Prayers from Hell-White Gospel & Sinners Blues
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